Simone Niggli-Luder
23-fache OL-Weltmeisterin
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Schwedische Meisterschaften
Simone, 19.9.2005
Anfang letzte Woche reisten wir in die Region Dalarna nach Schweden um an den Schwedischen Meisterschaften teilzunehmen. Ein toughes Programm wartete auf uns: Dienstag Nacht-OL, Freitag Quali Mitteldistanz, Samstag Final und am Sonntag die abschliessende Staffel.
Ich war zugegebenermassen etwas nervös vor dem ersten Start, denn es war doch schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal eine schwedische Karte in der Hand gehabt hatte. Und das Gelände in Dalarna ist bekannt für seine Schwierigkeiten...

Dass der erste Wettkampf in der Nacht stattfand, war eine weitere Herausforderung. Ich bin eigentlich überhaupt kein "Natträv" (Nacht-Fuchs): Mein einziges Nacht-OL-Training hatte ich im Frühling in Südschweden gemacht, und dort hatte es sich mehr oder weniger um ein Hausecken-Rennen gehandelt. Nun holte ich also die Nachtlampe wieder hervor und ich war gespannt, wie ich mich zurechtfinden würde. Zuerst waren zwei kürzere Schlaufen zu absolvieren, bevor es eine längere Schlussschlaufe gab. Nach einem einfacheren Einstieg kam der erste schwierige Posten bei Po 3 und auch bei Tageslicht hätte ich Respekt gehabt... ich suchte den Posten dann auch eine gute Minute und auch beim nächsten kam ich etwas daneben. Die zweite Schlaufe ging schon besser und so startete ich zuversichtlich auf die längere Schlussschlaufe. Vom Speaker vernahm ich, dass ich an zweiter Stelle lag mit einer halben Minute Rückstand, da war also noch alles möglich. Während auf den ersten Schlaufen immer wieder kleinere und grössere Wege die Orientierung erleichterten, so ging es nun in schwierigere Teile und ich erlebte die Herausforderung Nacht-OL hautnah. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, durchs dichteste Grün zu laufen, denn ich sah ja nicht, ob es daneben besser ging (am Tag kann man oft ausweichen). Ich fand mich aber immer besser mit der Nachtlampe zurecht und so lief ich zufrieden ins Ziel. Zugegebenermassen auch etwas erleichtert, dass ich zurückgefunden hatte... Als dann der Bescheid kam, dass ich gewonnen hatte, war ich natürlich sehr stolz und glücklich. Wow, gleich beim ersten Start in Schweden die Nacht-SM gewonnen, vielleicht bin ich doch ein kleiner Natträv!

An den nächsten zwei Tagen trainierten wir auf verschiedenen Karten, wobei wir auch auf der Karte liefen, wo wie im letzten Jahr den Testlauf für die WM gehabt hatten. Wir merkten dabei, dass wir das Gefühl für dieses Gelände nicht ganz verloren hatten. Gemütlich und lustig war auch das Wohnen mit dem Klub in einem Bygdegård, da war immer etwas los.
Am Freitag gings weiter mit dem Qualilauf über die Mitteldistanz. Das Gelände sollte nur ein Vorgeschmack sein für den folgenden Finallauf: herrlich schön schwieriges Gelände, fein coupiert und detailliert mit einigen Hängen, die das Prädikat höchstschwierig verdienen. Der Boden wechselte ab von kräfteraubenden Heidelbeer- und Sumpfpartien bis zu schnellbelaufbaren Steinplattengebieten. Den Qualilauf lief ich auf der sicheren Seite und legte wo nötig Sicherheitsstopps ein. Dennoch spürte ich schon, dass das Gelände sehr herausfordernd ist und der Respekt vor dem Finallauf wurde nicht kleiner. Mein Konzept stand fest: die Weglaufrichtung war das A und O und zudem war es wichtig, die markanten Objekte wie Hügel,Steine oder Felsen herauszufiltern. Gutes Kompasslaufen war also die halbe Miete und so startete ich auch gut in den Finallauf am Samstag. Ein kleiner Schwenker zum zweiten Posten erinnerte mich einmal mehr, gut auf den Kompass zu achten. Der 4. Posten war dann einer der Schlüsselposten dieser Bahn. Ich orientierte mich gut an den Steinen und rechts am Grün, doch dann hörte das Grün einfach nicht mehr auf, der Wald blieb dicht und die Sicht war sehr eingeschränkt. Nun hiess es, dem Kompass zu vertrauen und ich hoffte, die Kulturgrenze vor dem Posten zu bemerken. Und wirklich, der Wald öffnete sich und ich konnte beim Hügel mit dem Stein meine Position genau ausmachen. Uff, die Erleichterung war gross, als ich den Posten stempelte. Ich sah Karolina A. Höjsgaard wegrennen (sie war 4 Min vor mir gestartet) und so erhöhte ich das Tempo, um sie ganz einzuholen. Das war ein Fehler, denn somit vernachlässigte ich die Kartenarbeit und prompt blieb Karo im Postenraum unschlüssig stehen. Nun wusste ich natürlich auch nicht genau, wo wir standen, doch ich konnte mich dann auffangen und zum Posten laufen. Aber gut eine Minute hatten wir dabei sicher verloren. Nun ging es auf den detaillierten Hügel und ich versuchte, immer auf der Karte sauber mitzulesen. Posten 10 und 11 waren sehr schwierig, zumal die Posten jeweils sehr versteckt gesteckt waren. Dass Karo mit mir lief, gab natürlich eine gewisse Sicherheit, doch ich wusste, dass ich vorsichtig bleiben musste. So kam ich dann zum 12. Posten auch etwas daneben, konnte aber schnell korrigieren. Mit Höchsttempo gings dann dem Ziel entgegen und prompt erwischte es mich beim zweitletzten Posten, als es uns zu weit nach links trug. Die Spur durchs Grüne führte nämlich zum Herrenposten, der etwas weiter bei den Steinen stand... Doch ein weiteres Mal lief ich zufrieden ins Ziel, denn mir war bewusst, dass auf dieser Bahn wohl niemand ganz fehlerfrei durchkommen würde. Der Speaker kündigte mich bereits als Schwedische Meisterin an, da die letztgestartete Emma Engstrand beim Funkposten schon zu weit hinten lag. SM-Titel Nummer 4 in diesem Jahr also, nach Sprint-, Ultralang- und Nachtmeitsertitel!
Es folgte die abschliessende Staffel am Sonntag. Da Jenny Johansson leider verletzt ist, konnten wir nicht mit demselben Team antreten, mit welchem wir im letzten Jahr die SM gewonnen hatten. Natürlich waren wir somit weniger schlagkräftig, doch mit Stina Grenholm und Alexandra Vejedal stellten wir trotzdem ein gutes Team. Es gab einige Teams, die gleichstark eingestuft werden konnten und so sollte es eine spannende Angelegenheit geben. Eine weitere Schwierigkeit war an diesem Tag die 1:15000 Karte, die sehr detailliert und somit schwierig lesbar war. Im Postenraum musste man deshalb teilweise stehenbleiben, um den Postenstandort genau auszumachen. Stina begann solid und kam mit etwas mehr als einer Minute Rückstand auf die Spitze zurück. Nach einem sehr guten Start von Alexandra waren wir zwischenzeitlich ganz vorne dabei, bevor sie aber nach dem Übergang einen grösseren Fehler machte. So ging ich als 20. in den Wald mit einem Rückstand von beinahe 6 Minuten. Am Anfang hatte ich etwas Mühe einerseits koordinativ auf dem steinigen Boden und andereseits auch technisch. Vorallem beim dritten Posten nahm ich mir zuwenig Zeit zur Feinorientierung und verlor so einiges an Zeit. Doch dann kam ich immer besser ins Rennen und überholte auch Läuferin um Läuferin. Nach dem Übergang kam eine sehr lange Teilstrecke und in dieser Phase lief ich ganz alleine. Ich war stolz, als der Posten dort stand, wo ich ihn erwartete, doch sogleich kamen die nächsten Herausforderungen. Zwei Posten später hatte ich Sichtkontakt zur nächsten Gruppe mit vier Läuferinnen. Bei der Kuppe im Grünen konnte ich aufschliessen und mich dann beim nächsten schwierigen Posten (der Posten stand vesteckt in der Mulde, umgeben von dichten kleinen Tannen) mit Lina Bäckström (OK Linné) absetzen. Ich war läuferisch stärker als Lina, doch da ich intensiv Karte lesen musste, blieb sie mir auf den Fersen. Leider passierte mir zum zweitletzten Posten einen Fehler, als ich den Posten nicht sah und gegen rechts korrigierte. Als ich es bemerkte und zum Ort zurück lief, wo ich schon vorher gewesen war, ärgerte ich mich natürlich, denn nun war Lina auf und davon. Allerdings hielt sich der Ärger in Grenzen, denn es war um die Ränge 4 und 5 gegangen und nicht um einen Medaillenplatz. So wurden wir doch noch gute 5. in einer spannenden Staffel in anspruchsvollem Gelände.
Da ich diesen Bericht von Schweden aus schreibe, folgen die Karten mit den eingezeichneten Routen erst später. Für die Eiligen finden sich die Karten auf der Homepage von Emma Engstrand .
Somit beendete ich die äusserst erfolgreiche SM-Woche mit einem weiteren sehr guten Lauf und ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen und vorallem der Konstanz in disem anspruchsvollen Gelände. Während der ganzen Woche begleitet mich ein hartnäckiger Husten und ich hoffe, dass ich diesen nun vollständig wegbringe.
Bis am Mittwoch sind wir zu Gast bei Jenny in Falun, wo wir den schönen sonnigen Herbst geniessen. Weiter gehts dann südwärts mit einem Zwischenstopp in Ånneboda. Mit der Fähre reisen wir dann am Donnerstag nach Dänemark, wo wir mit dem Nationalkader ein Trainingslager bereits im Hinblick auf die nächste WM haben. Dies scheint aber noch in weiter Ferne und für mich wird es vorallem darum gehen, einen ersten Eindruck zu gewinnen um dann mein Wintertraining darauf anpassen zu können.
 
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