Simone Niggli-Luder
23-fache OL-Weltmeisterin
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Sprachlos...
Simone, 18.7.2013
Die WM in Vuokatti ist Geschichte und ich blicke immer noch etwas sprachlos auf meine Resultate zurück: 3x Gold in den Einzeldisziplinen und 1x Bronze in der Staffel, grandios!!!
Die Vorzeichen standen sehr gut, was meine Vorbereitung betraf. Den physischen Formaufbau konnte ich fast exakt nach Plan durchführen, die technische Basis war mit 10 Wochen "Skandinavien non-stop" sehr solide. Aber auch mich befiel in den letzten Vor-WM-Tagen nocheinmal eine gewisse Nervosität und Zweifel. Würde das Programm mit Sprint und Lang zu tough sein? Hatte ich das Mitteldistanz-Gelände wirklich im Griff? Würden mich im Sprint die künstlichen Zäune nicht reinlegen?
Solche Gedankenspiele gehören bei mir vor der WM immer dazu, vielleicht macht mich gerade das so richtig "wach" für die kommenden Aufgaben.

In 4 Bildern möchte ich die WM Revue passieren lassen:
Warten im Ziel vom Sprint... reicht es zu Gold?
Warten im Ziel vom Sprint... reicht es zu Gold?
Der Sprint-Tag war ein sehr langer. 6 Uhr Frühstück vor der Qualifikation, die ich sehr solide und ohne allzu fest zu pushen absolvierte. Dann kam das lange Warten. Bis um fast 17 Uhr hatte ich Zeit. Natürlich Zeit, um kurz ein Powernap zu machen und etwas abzuschalten. Aber irgendwie kreisten die Gedanken doch immer wieder um den kommenden Final am Abend und so war ich sehr froh, als wir endlich aufbrechen konnten nach Sotkamo. Gutes Gefühl beim Einlaufen und ziemlich nervös! Als ich auf der Startlinie stand, wurde die Nervosiät nicht kleiner, denn die Kulisse war im Baseball-Stadium atemberaubend!
Mit dem Start-Signal waren aber all diese Faktoren ausgeschaltet, der Fokus voll und ganz auf der Karte und die kommenden Routenwahlen.
Es war ein spannender Sprint, wo ich zwar einige Male nicht die beste Route erwischte, aber auch nie den Faden verlor und meinen Lauf voll durchziehen konnte.
Im Ziel war ich voll zufrieden und dass der Druck wieder mal sehr gross gewesen war, spürte ich an der Erleichterung, als die (Gold) Medaille feststand, fantastisch!!!
Traum-Gelände in der Langdistanz
Traum-Gelände in der Langdistanz
Am nächsten Morgen war ich beim Joggen positiv überrascht, wie sich meine Beine anfühlten. Jetzt ging es also darum, die Gedanken positiv zu steuern, hartes Programm (Sprint-Long an drauffolgenden Tagen) hin oder her.
Als klar war, dass der Start in der Zielarena sein würde, kamen kurz Gedanken an meine erste WM-Goldemdaille in Tampere auf. Auch dort waren wir im Ziel gestartet...
Die Nervosität war diesmal ganz anders als noch am Vortag. Diese Nervosität liebe ich: zwar angespannt, aber mit grosser Vorfreude auf die kommende Aufgabe!
Und es wurde dann auch ein wunderbares OL-Erlebnis: weite Teile des Laufes gingen durch rschnell belaufbare Teile, gewürzt wurde das Ganze mit einigen grünen Posten.
Auch wenn eine Langdistanz physisch immer sehr hart ist, so konnte ich es doch auch auf eine gewisse Art geniessen. Es war nicht mehr ein "müssen", sondern ein "dürfen".
Ausser einer schlechten Routenwahl und einem Postenraumfehler bei Posten 19, war ich mit meiner Leistung sehr zufrieden.Der Vorsprung von rund 30" beim Übergang konnte ich so auf 3' ausbauen und somit meinen 8. Titel über meine Lieblingsdisziplin Langdistanz gewinnen.
3. Gold in 3 Läufen, unglaublich!
3. Gold in 3 Läufen, unglaublich!
Nach einem Ruhetag und einer Qualifikation mit zwei grossen Fehlern, gings an den Mitteldistanz Final. Die Fehler waren ein guter Warnschuss, denn dieses Gelände verzeiht keine Unachtsamkeit!
So startete ich mit Respekt, aber auch mit einem klaren Konzept im Kopf: ich wollte mir die nötige Zeit gönnen um die Posten sicher anzulaufen und kein unnötiges Risiko eingehen.
Der Schwenker zum ersten Posten liess wohl die Zuschauer im Ziel und vor dem Computer mehr zittern als mich selber. Irgendwie stresste mich dieser Zeitverlust nämlich überhaupt nicht, ich war sofort wieder fokussiert auf die nächste Aufgabe. Ich kam immer besser in Fahrt und auf der langen Teilstrecke konnte ich (natürlich unbewusst) die Führung übernehmen. Mit einer sehr guten konzentrierten Leistung auf der Schluss-Schlaufe, gab ich diese Führung nicht mehr ab und lief hochzufrieden ins Ziel ein. Da die Top-Cracks nach mir gestartet waren, kam es zu einem längeren Warten also sonst. Aber ich war mir voll bewusst, dass ich mit meiner Leistung zufrieden war, doch dass man mit grösserer Risiko-Bereitschaft eventuell noch einige Sekunden gewinnen könnte.
Aber keine Läuferin kam an meine Zeit heran und so durfte ich mir die dritte Goldmedaille umhängen lassen. Eine Goldmedaille, über welche ich unheimlich stolz bin!
Medaille für die Flying swiss grils, just great!<br />Foto: worldofo
Medaille für die Flying swiss grils, just great!
Foto: worldofo
Im Vorfeld der Staffel wussten wir, dass es knallhart werden würde für eine Medaillen in diesem finnischen Gelände. Mit soliden Leistungen wollten wir aber ein Wörtchen mitzureden haben.
Sara auf der Startstrecke lieferte eine geniale Leistung ab. Unerschrocken lief sie in ihrer ersten WM-Staffel mit der Nummer 1 auf der Startnummer ihr eigenes Rennen und kam mit der Spitze des Feldes zurück, imponierend! Judith startete auch sehr gut und hatte bis zum 7. Posten alles unter Kontrolle. Leider passierte dann ein grösserer Fehler, aber meine Ausgangslage als 6. war immer noch vielversprechend.
Schon beim zweiten Posten sah ich die Dänin und die Britin am Suchen und beim dritten Posten kam auch die Schwedin zum stempeln. Nun war ich also wieder im Medaillenkampf dabei! Durch verschiedene Routenwahlen trennten sich unsere Wege aber sofort wieder. Als ich nach meiner Weg-Route wieder in den Wald hineinstach, kam mir die Finnin entgegen. Dies brachte mich irgendwie aus dem Konzept, denn ich machte im Postenraum einen dummen Fehler. Zwei gute Posten folgten, bevor mir nocheinmal ein grosser Fehler unterlief.
Dass die Schwedin mir wieder ganz dicht auf den Fersen lag, merkte ich (glücklicherweise) nicht, erst als ich beim Fernseh-Posten auf der Wiese zurückblickte, notierte ich die gefährliche Situation. Ich konnte aber noch einen Gang höher schalten und die zwei letzten Posten sicher anlaufen. Mit Vollgas ins Ziel und erst da war ich sicher, dass wir wirklich Bronze gewonnen hatten.

Diese Bronze-Medaille rundete die WM-Woche noch so richtig ab, Staffeln sind halt immer besonders...



Unsere Nordland-Reise ging anschliessend weiter und wir sind mittlerweile in Boden angekommen. Am Sonntag startet der O-Ringen und ich freue mich auf ein schönes OL-Erlebnis, wo für einmal nicht das Resultat die höchste Priorität haben wird...;-))
 
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